Quartierstreff in turbulenten Zeiten
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Quartierstreff in turbulenten Zeiten

Seit November 2017 betreibt die FLÜWO gemeinsam mit der Diakonie Pforzheim den DiakoniePunkt Brötzingen. Wir ziehen Bilanz.

Herzlich willkommen im DiakoniePunkt Brötzingen!, hieß es vor ziemlich genau drei Jahren, als der Quartierstreff in der Westlichen 284 eröffnet wurde. Damals haben wir vor Ort die Initiative ergriffen und die ehemaligen Räume einer Fahrschule umgebaut. Ausgestattet mit einer neuen Küche, in der gemeinsam gekocht, gebacken und gegessen werden kann, einem behindertengerechten Sanitärraum, dem Büro der Quartiersleiterin und einer Terrasse, die Platz für den gemeinsamen Plausch im Freien bietet, ist in Pforzheim ein Treffpunkt für Gemeinschaft und Begegnung entstanden, der allen Bewohnern des Wohnquartiers offensteht. Neben dem geselligen Austausch besteht außerdem die Möglichkeit, Beratungstermine mit DiakoniePunkt-Leiterin Sarah Spohn zu vereinbaren und die offenen Angebote im Nachbarschaftstreff zu besuchen.

Raum für Gemeinschaft und Begegnung

„Der Start im Quartierstreff war gut“, blickt Sarah Spohn auf die vergangenen drei Jahre zurück. Sie ist seit der Eröffnung als Quartiersleiterin im DiakoniePunkt tätig. Allerdings hat sich die Nachfrage nach den Programmpunkten dort sehr gemischt gestaltet, erzählt sie weiter: Grundsätzlich bewährt haben sich Sprach- und Gemeinschaftsangebote wie gemeinsame Kochtreffs, Kaffeerunden oder auch das Nähcafé. „Es hat sich gezeigt, dass ein großer Bedarf an Gemeinschaft besteht, da immer mehr Menschen allein leben und ‚Anschluss‘ suchen. Wenn zu fehlender Ansprache finanzielle Probleme hinzukommen und Anträge gestellt werden müssen, wird es für viele Betroffene schwierig“, weiß die engagierte Quartiersmanagerin aus ihren Erfahrungen zu berichten. Dabei hat sie festgestellt, dass der Kontakt zum DiakoniePunkt häufig nicht über die Ratsuchenden selbst, sondern über den hilfswilligen Nachbarn entsteht. Das Angebot: „Komm, ich frag im Quartierstreff mal für dich nach“, war in vielen Fällen der Auslöser für ein Auftaktgespräch. Der ersten Kontaktaufnahme folgen meist weitere Beratungstermine, bei denen Sarah Spohn mit den Betroffenen gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten für deren individuelle Probleme und Anliegen sucht. Die DiakoniePunkt-Leiterin, zu deren Aufgabengebiet unter anderem die allgemeine Sozialberatung gehört, hat festgestellt, dass es hierfür auch und gerade seit Beginn der Corona-Pandemie eine große Nachfrage gibt. Viele schon bekannte Besucher des Quartierstreffs wenden sich an Sarah Spohn, aber auch neue Klienten kommen zu ihr, weil sie z. B. durch die Corona-Krise ihren Job verloren haben und Hilfe für die Anträge beim Jobcenter benötigen.

Immer ein offenes Ohr

„Im DiakoniePunkt sehe ich mich in der Verantwortung für die Menschen und stehe vor Ort als Ansprechpartnerin zur Verfügung“, erläutert Sarah Spohn ihre Arbeit. Daher versucht sie − selbst wenn die Gruppenangebote in Corona-Zeiten nur eingeschränkt oder gar nicht möglich sind − zumindest die soziale Beratung im Quartierstreff so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. „Sollte ein Telefonat oder der Kontakt per E-Mail nicht ausreichen, ist in Notfällen auch ein persönliches Gespräch unter Beachtung der Hygieneregeln möglich“, ergänzt sie. Dabei versteht sich die Diakonie-Mitarbeiterin auch als eine Art „Clearing-Stelle“, die zwischen verschiedenen Parteien vermittelt und sie in Konfliktfällen berät: Viele Anfragen könne sie selbst abdecken, spezifischere Themen gebe sie an die entsprechenden Fachstellen wie beispielsweise die Schwangerenberatung weiter, erläutert Sarah Spohn das Prozedere. Am wichtigsten ist der Quartiersleiterin, immer ein offenes Ohr für die Ratsuchenden zu haben, die mit den unterschiedlichsten Anliegen zur Beratung in den Nachbarschaftstreff kommen. Dies können Themen wie Erwerbslosigkeit und finanzielle sowie existenzielle Ängste sein, aber auch die Bitte zur Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten, wie z. B. der Antragstellung für einen Kitaplatz.

Immer ein offenes Ohr für die Menschen im Quartier: DiakoniePunkt-Leiterin Sarah Spohn.
Immer ein offenes Ohr für die Menschen im Quartier: DiakoniePunkt-Leiterin Sarah Spohn.

Ehrenamt erwünscht

„So unterschiedlich, wie die Angebote im Quartierstreff sind, gestaltet sich auch die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen sehr vielseitig“, berichtet Sarah Spohn weiter und erläutert dies an Beispielen: Da gibt es zum einen die Dame, die als treibende Kraft des Sprachcafés fungiert hat. Da sie im Gesundheitssektor beschäftigt ist, schafft sie es aufgrund des derzeit hohen Arbeitsanfalls in diesem Bereich nicht, ihr Engagement im DiakoniePunkt weiter aufrechtzuerhalten. Eine andere Besucherin des Quartierstreffs konnte dank der Vermittlung von Sarah Spohn vor Kurzem die ersehnte Ausbildungsstelle in einem Kindergarten antreten. Ein schöner Erfolg und Anlass zur Freude, aber als „Mitstreiterin“ im DiakoniePunkt fällt die junge Frau jetzt erst mal weg. Die Hauptakteurin des Nähcafés dagegen hat als Rentnerin mehr Zeit und schon darauf gewartet, dass es nach der Corona-bedingten Schließung im Nachbarschaftstreff weitergehen kann.

„Je nach persönlichem Hintergrund der Ehrenamtlichen gestalten sich demnach deren Möglichkeiten für eine Mitarbeit“, fasst Sarah Spohn zusammen und erklärt: „Für diejenigen, die noch berufstätig sind und sich nebenbei ehrenamtlich engagieren wollen, ist es häufig schwierig, beides unter einen Hut zu bekommen. Menschen in einer anderen Lebenssituation und mit mehr Zeit suchen dagegen oft eine sinnvolle Aufgabe und möchten dabei selbst Anschluss bekommen.“ Daher sei es nicht immer einfach, Ehrenamtliche zu finden, und in der derzeitigen Situation erst recht nicht, berichtet die Leiterin des DiakoniePunkt. Sie bedauert, dass deshalb Anfang des Jahres die zwei genannten Angebote entfallen mussten, da deren Initiatoren die Gruppen nicht weiter anleiten konnten. „Doch hier versuchen wir Alternativen zu finden“, zeigt sich Sarah Spohn zuversichtlich und ermuntert alle, die Interesse an einem Ehrenamt oder Ideen für Programmpunkte haben, zur Mitarbeit im Quartierstreff.

Angebote in Corona-Zeiten

Vor der Corona-Krise gab es ein vielseitiges Programm im DiakoniePunkt. Seit März sieht das etwas anders aus: Gemeinschaftsangebote wie das Sprachcafé, das gemeinsame Freitags-Frühstück und das Projekt „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“, das in Kooperation mit dem benachbarten Kindergarten durchgeführt wird, können nicht mehr stattfinden. Doch Sarah Spohn war es wichtig, auch während der Corona-bedingten Schließung des Nachbarschaftstreffs im Frühjahr mit den Besuchern in Kontakt zu bleiben. Die Leiterin des DiakoniePunkt hat in dieser Zeit regelmäßig auf telefonischem Weg das Gespräch gesucht.

Gemeinschaft im Kleinen

Natürlich war die Freude groß, als der Quartierstreff Ende Mai „im Kleinen“ wieder öffnen konnte, erinnert sich Sarah Spohn. An der Eingangstüre hängt seitdem das Schild mit den Hygieneregeln und dem Hinweis, dass nur eine begrenzte Zahl an Besuchern die Räume gleichzeitig betreten darf. Um den erforderlichen Abstand zu gewährleisten, wurden zudem einige Stühle entfernt und die Tische auseinandergerückt. Unter Einhaltung der Corona-Schutzregeln konnten auf diese Weise seit Anfang Juni wieder einige Gruppenangebote in reduzierter Form stattfinden, ergänzt die DiakoniePunkt-Leiterin.

So hatte beispielsweise das „Rucksack-Projekt“, das in Kooperation mit dem Jugend- und Sozialamt und der Brötzinger Schule durchgeführt wird, zwischenzeitlich den Betrieb aufgenommen und die Treffen im Quartierstreff Corona-bedingt auf zwei Termine zu verschiedenen Zeiten verteilt. Das Projekt richtet sich an Eltern mit Migrationshintergrund, deren Kinder in die Schule gehen, und unterstützt sie dabei, den Bildungsprozess ihrer Kinder zu begleiten und zu gestalten. Der DiakoniePunkt, der in direkter Nachbarschaft zur Schule liegt, stellt seine Räume für die Durchführung des Projekts zur Verfügung. Auf diese Weise finden nicht nur die betroffenen Eltern und die Projektorganisatoren im Quartierstreff eine „Heimat“, sondern es werden darüber hinaus auch neue Kontakte geknüpft. „Eine Win-win-Situation für alle“, freut sich Sarah Spohn.

Auch das Nähcafé konnte seit Juni wieder in kleineren und fest eingeteilten Gruppen stattfinden. Das Angebot, das es bereits seit Ende 2018 im DiakoniePunkt gibt, hatte damals in bescheidenem Rahmen begonnen. Ausgestattet mit nur einer schon ausrangierten Nähmaschine, die Silvia Weymer, die ehrenamtliche Hauptakteurin des Nähtreffs, in einem Repair-Café wieder auf Vordermann bringen ließ, sind zwischenzeitlich im DiakoniePunkt vier Nähmaschinen im Einsatz. Die Stoffe, die dabei zur Verarbeitung kommen, stammen aus Spenden oder werden von den Ehrenamtlichen selbst mitgebracht. Doch neben Nadel und Faden geht es den Besuchern des Nähcafés vor allem um das gesellige Zusammensein. „Nach dem Nähen haben wir oft gemeinsam noch gebacken oder gekocht“, erzählt Silvia Weymer. Schließlich bietet die geräumige und gut ausgestattete Küche des Quartierstreffs hierfür ideale Voraussetzungen. Das zubereitete Mahl wurde anschließend von den Hobbyschneiderinnen getreu dem Motto „Nach der Arbeit kommt das Vergnügen“ verspeist, um den Tag schließlich frisch gestärkt bei Fachsimpeleien über Garne, Stoffe und vieles mehr ausklingen zu lassen.

„Seit Corona geht das in der Form zwar nicht mehr“, erzählt die rüstige Rentnerin, „aber wir haben uns trotzdem sehr gefreut, als das Nähcafé im Juni zumindest in abgespeckter Form wieder stattfinden konnte.“ Um die vorgeschriebene Besucherzahl im Quartierstreff einzuhalten, haben sich die Teilnehmer vor den Treffen jeweils kurzfristig abgestimmt, wer kommen kann. Statt der bisher rund zehn Besucher waren es seitdem meist drei bis vier nähwillige Damen, die dienstags im DiakoniePunkt zusammengekommen sind. Dabei haben sie sich nicht nur in der Gruppenstärke, sondern auch bei den Näharbeiten umgestellt: Wurden bisher Puppen, Topflappen und Weihnachtsbäume genäht, so stand in den letzten Wochen die Herstellung von Mund-Nasen-Masken für Freunde, Familie und die Nachbarschaft des Quartierstreffs hoch im Kurs. Dafür hat sich Silvia Weymer immer wieder neue Schnittmuster einfallen lassen und unterschiedlichste Stoffe organisiert. Besonders stolz ist die Ehrenamtliche auf die „Mutter-Kind-Modelle“, die sie entworfen hat. „Wenn es jetzt heißt ‚Was die Mama hat, das will ich auch‘, ist das kein Problem“, sagt Silvia Weymer und zeigt stolz ihren Favoriten: Die Maske mit dem schwarzweißen Muster fertigt sie mit ihren Mitstreiterinnen in allen Größen, sodass Eltern und Nachwuchs im Partnerlook ausgestattet werden können. „Man muss sich schließlich flexibel zeigen“, schmunzelt sie und hat schon viele weitere Nähideen im Kopf.

Aus dem Nähkästchen: Die Ehrenamtliche Silvia Weymer berichtet von ihrem Engagement im Nähcafé.
Aus dem Nähkästchen: Die Ehrenamtliche Silvia Weymer berichtet von ihrem Engagement im Nähcafé.

Gesundheit geht vor

Seit Wirksamwerden der neuen Corona-Regeln im November mussten die Gruppenangebote zunächst wieder eingestellt werden. Wie während der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr bleibt der DiakoniePunkt für Beratungsgespräche und als Anlaufstelle im Quartier jedoch weiterhin geöffnet, ist von der Quartiersleiterin aus Brötzingen zu hören. „Wann wieder mehr Leben und Gemeinschaft im Nachbarschaftstreff möglich sein wird, kann derzeit keiner sagen – der Gesundheitsschutz geht einfach vor“, meint Sarah Spohn und hofft gemeinsam mit den Besuchern und Ehrenamtlichen des Quartierstreffs auf bessere Zeiten.

Gutes Team in Sachen Quartiersarbeit: Sabrina Kischlat, Leitung FLÜWO Soziales, und Sarah Spohn, Leiterin des DiakoniePunkt Brötzingen (v. l.).
Gutes Team in Sachen Quartiersarbeit: Sabrina Kischlat, Leitung FLÜWO Soziales, und Sarah Spohn, Leiterin des DiakoniePunkt Brötzingen (v. l.).

Kontakt

Allgemeine Fragen

Sabrina Kischlat
Teamleitung Soziales
FLÜWO Bauen Wohnen eG
Gohlstraße 1
70597 Stuttgart
0711 9760-222
kschltflwd

Ihr Kontakt zum DiakoniePunkt

DiakoniePunkt Brötzingen

Quartierstreff Westliche 284
Westliche Karl-Friedrich-Str. 284
75172 Pforzheim


DiakoniePunkt-Leiterin
Sarah Spohn
07231 1677173
srhsphndkn-pfd

Öffnungszeiten und regelmäßige Angebote:

  • Montag:13:00–16:00 offenes Angebot / Beratung
  • Dienstag: 9:00–14:00 Nähcafé; anschließend offenes Angebot/ Beratung
  • Mittwoch: 9:00–12:00 und14:00–16:00 „Rucksack-Projekt“, wechselndes offenes Angebot
  • Donnerstag: 9:30–11:00 Sprachcafé, nachmittags: Projekt „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“
  • Freitag: 10:00–12:00 Frühstück

Information in Corona-Zeiten:

Die Angebote und Öffnungszeiten des DiakoniePunkt können derzeit variieren. Bitte informieren Sie sich daher vorab telefonisch oder per E-Mail bei Quartiersleiterin Sarah Spohn über den aktuellen Stand. Ein Aushang mit den jeweils geltenden Öffnungszeiten und den Kontaktmöglichkeiten ist auch im Schaufenster des DiakoniePunkt zu finden.

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